Es gibt ABSOLUT NICHTS GUTES am Junkie-Dasein. Nichts. Noch nicht mal das tolle Gefühl, dass man durch H hat, wiegt gegen die ganzen negativen Dinge auf, die damit verbunden sind. Ich mache mal an Liste an negativen Dingen, das ist übersichtlicher.
Heroin bedeutet alles zu verlieren, was du hast. Das bringt es perfekt auf den Punkt!
- Finanziell ist ALLES den Bach herunter gegangen. Ich beziehe Grundsicherung, schon bevor ich mit H angefangen habe, da ich aufgrund meiner psychischen Erkrankungen (rezidivierende Depressionen, Panikstörung, Soziale Phobie, Generalisierte Angststörung) zu 50% schwerbehindert- und erwerbsunfähig bin. Das Geld reicht für ein menschenwürdiges Leben hinten- und vorne nicht, aber "die Würde des Menschen ist ja unantastbar". Tja und durch die Sucht ist es noch viel viel schlimmer. Ich bin in einem Insolvenzverfahren, um von meinen ganzen Schulden herunter zu kommen, bin finanziell von meiner Mutter abhängig, obwohl sie selbst nicht viel hat, habe Familienangehörige beklaut (meiner Mutter würde ich das niemals antun, aber das heißt nicht, dass ich es gern bei anderen gemacht habe) und belogen um an Geld zu kommen, wenn ich stark entzügig war UND ICH HASSE MICH DAFÜR.
- Ich habe immer SEHR auf mein Aussehen geachtet, mich täglich geschminkt, meine langen gepflegten Haare waren mir heilig und haben mir zumindest ETWAS Selbstwert gegeben. Ich habe mir vor ein paar Wochen selbst einen riesigen Knoten rausschneiden müssen, einfach weil ich mich SO sehr vernachlässigt habe, dass ich das Haarewaschen vernachlässigt habe, mir nur noch um halbwegs gepflegt auszusehen, Trockenshampoo reingeknallt habe und sie tagelang nicht gekämmt habe. Ich bin einfach Tag und Nacht mit einem Dutt herumgelaufen. Und das ist natürlich schlecht für langes Haar. Zum Glück fällt es nicht so sehr auf, wenn man nicht genau darauf achtet, denn der Knoten war unter dem Deckhaar. Sie sind jetzt ein Stück kürzer, eine Friseurin hat sie mir günstig geschnitten. An manchen Tagen, besonders dann wenn ich H und Benzos habe, achte ich immer noch auf mein Aussehen. Schminke mich, ziehe mich schön an. An entzügigen Tagen oder an Tagen wo ich gar nichts habe lasse ich mich KOMPLETT gehen und verlasse auch das Haus kaum.
- Ich besitze nur noch wenige Dinge. So ziemlich alles was einen Wert hatte, habe ich über das Internet verkauft. Heroin bedeutet alles zu verlieren, was du hast. Das bringt es perfekt auf den Punkt. Zum Glück habe ich meine Wohnung noch und ich werde alles dafür tun, diese nicht zu verlieren.
- Ich habe viele Menschen in meinem Leben verloren. Entweder ist der Kontakt in's Leere gelaufen, weil für mich nur noch eins gezählt hat: Tabletten und Heroin. Oder ich wollte nicht, dass Jemand erfährt das ich ein Junkie geworden bin, weil ich mich so sehr geschämt habe. Ich habe Sven (Name geändert), meinen Freund, meine Mutter und eine sehr gute Freundin, die ein "normales" Leben führt. Das war's. Ansonsten flüchtige "Internet-"Freunde" oder Junkie-Bekanntschaften. Richtige Freunde findet man in dieser Szene sehr sehr selten, weil nur zählt die eigene Sucht zu befriedigen.
- Meine Persönlichkeit hat sich verändert. In's Negative. Wenn ich entzügig bin (ich hasse das Wort "affig") neige ich zu Stimmungsschwankungen und Aggressivität. Depressionen sowieso, die waren schon vorher da. Ich werde Menschen gegenüber nicht gewalttätig oder so, aber es sind schon einige Dinge zu bruch gegangen. Außerdem bin ich total interessenlos geworden. Es zählt nur noch eins: Woher bekomme ich Geld und wie besorge ich den nächsten Stoff oder Ersatz (Subutex o.Ä.).

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